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Zwischen Wahrscheinlichkeit und Unwahrscheinlichkeit – Besuch einer Lesung von Hartmut Lange

Am 12. Juni 2018 haben wir mit den drei Deutsch-Leistungskursen der Q1 von Frau Dolle, Frau Donner und Frau Lux eine Lesung des Berliner Novellen-Künstlers Hartmut Lange besucht. Diese fand in der evangelischen Stadtkirche in Ratingen statt. Das Kirchenschiff war groß und gut gefüllt, die Atmosphäre angenehm. Gleich zu Beginn sagte der Autor, dass er sich nicht ganz wohl fühle und hoffe, die Lesung durchzustehen.

Angefangen hat Lange dann, wie geplant, mit einem Ausschnitt aus der Novelle „Das Haus in der Dorotheenstraße“. Die Novelle ist Abiturstoff und es ist eine spannende und einzigartige Erfahrung, dem Autor im Anschluss an die Lesung Fragen zu seinem Werk stellen zu können. Bei vielen anderen Lektüren, die wir für’s Abitur lesen müssen, ist das schließlich nicht mehr möglich, man denke nur an Goethe oder Hauptmann.
In der Novelle geht es um Gottfried Klausen, der aus Berufsgründen nach London ziehen muss, seine Ehefrau aber in Berlin zurücklässt. Durch die Distanz und das seltsame Verhalten der Ehefrau kommt Klausen nach einiger Zeit auf die Idee, dass diese ihn mit einem anderen Mann betrügt. Die Geschichte nimmt ihren Lauf...

Kurzfristig entschloss Lange sich dann aber doch dazu, aus zwei weiteren seiner Texte vorzulesen, mit der Begründung, dass wir Schüler ja nun alle schon wüssten, wie es im „Haus in der Dorotheenstraße“ weiterginge und er uns nicht langweilen wolle. Also las er zunächst aus „Emilys Schatten“, danach aus „An der Prorer Wiek und anderswo“. Vor allem die erste Geschichte war fesselnd. Erzählt wird der Leidensweg von Emily, die in der Schule schlimm gehänselt wird, und ihrem Leben schließlich ein Ende setzt. Der zweite Text war in der Kirche leider nur sehr schwer zu verstehen, da die Akustik dort nicht wirklich gut geeignet war für so viele Besucher. Alle drei Geschichten wirken in gewisser Weise melancholisch, regen den Leser/Hörer zum Nachdenken an. Lange erzählte nebenbei, dass er durch das Schreiben sich selbst heilt. Dabei diktiere er seiner Frau, die ihm aus einer sehr schweren Lebensphase herausgeholfen hat.

Später beantwortete Hartmut Lange Fragen, zu seiner Person, aber auch zu seiner Literatur. Er wirkte sympathisch, unterhielt den Saal gut, auch wenn nicht alles deutlich zu verstehen war. Bei der Beantwortung der Fragen schweifte er immer mal wieder ab, weil er wirklich viel zu erzählen hatte. Die Frage eines Schülers nach dem Ende in „Das Haus in der Dorotheenstraße“ war für uns alle mit am spannendsten. Lange antwortete, er wisse nicht genau, was Klausen am Ende der Novelle tut, glaube aber, dass er seine Ehefrau bei seiner Rückkehr in die Dorotheenstraße töte. Diese Aussage lenkte unsere eigene Interpretation des sehr vage beschriebenen Endes der Novelle in eine gewisse Richtung, macht dieses irgendwie ein bisschen greifbarer.

Zum Schluss hatte dann noch jeder Besucher die Möglichkeit, sich die eigene Ausgabe eines seiner Werke signieren zu lassen. Im Kurs haben wir Coverbilder für die Pflichtlektüre angefertigt, die Lange interessiert ebenfalls gerne unterzeichnete.

Text: Luisa, Q1 (LK Frau Dolle)

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